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Donnerstag, 5. Januar 2012

Udaipur - Die Stadt der Paläste

23:00 Uhr, wir sitzen im Bus nach Udaipur, die Volvo Klasse ist erstaunlich bequem und es ist WARM! Mit uns im Bus ist eine Europäerin und eine indische Reisegruppe. Wir richten uns gemütlich ein, um zu schlafen. Gott sei dank habe ich einen Kapuzenpulli und meinen MP3-Player. Adele und The Fray wiegen mich in den Schlaf. Nach ca. 2 Stunden werde ich das erste Mal wach, der Inder im Sitz neben uns, nur getrennt durch den Mittelgang, schnarcht, als wolle er ganz Rajasthan im Alleingang entwalden. In jedem Nachtbus gibt es einen Busschnarcher. Pech nur, dass er diesmal neben uns sitzt und so laut schnarcht, dass selbst mit Musik an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Die beste Ehefrau von allen sitzt neben mir, hellwach und starrt an die Decke. Das Dumme ist ja, sobald man einmal das Schnarchen bemerkt hat, brennt es sich ja förmlich ins Bewußtsein ein. Selbst laute Musik übertönt das Schnarchen nicht mehr und in den wenigen kurzen Schnarchpausen ertappt man sich dabei, auf den nächsten Schnarchton quasi zu warten, in böser Erwartung zwar aber trotzdem. Unsere Nacht ist dementsprechend kurz, auch weil der Bus nicht wie angekündigt 8 1/2 Stunden benötigt sondern nur 6! D.h. wir kommen völlig übermüdet um 6 Uhr morgens am Busbahnhof in Udaipur an. Näch längeren Verhandlungen mit einem Rikschafahrer, der versichert, dass er weiß wo unser Hotel ist, fahren wir los. Wie immer muss er auf der Hälfte des Weges fragen wo es lang geht. Die Antwort scheint ihn ordentlich zu ärgern. Im Hotel angekommen, bezahlen wir den Fahrer wie ausgemacht, der sich furchtbar aufregt und mehr Geld verlangt, weil es viel weiter war als er dachte. Als wir ihm mitteilen, dass er uns doch versichert hat, dass er weiß wo unser Hotel ist und er daher überhaupt nicht überrascht sein kann, dass es so weit war überlegt er kurz, nickt und fährt weg. Um diese Uhrzeit ist eigentlich niemand an der Rezeption, unsere Ankunft hat aber wohl einen der Hotelmanager geweckt. Er kommt und begrüßt uns sehr freundlich und wundert sich, dass wir schon so früh da sind. Glücklicherweise ist unser Zimmer schon frei und wir können direkt rein. Das Zimmer ist ein absoluter Traum! Das wohl schönste Zimmer, in dem wir bisher gewohnt haben, nicht nur in Indien.

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Das ganze Hotel scheint vor nicht allzu langer Zeit komplett renoviert worden zu sein und erstrahlt in reinem Weiß. Sowohl Sauberkeit als auch Ausstattung und Verarbeitung entspricht deutschen Standards, nicht ganz normal für Indien.

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Das Personal ist sehr freundlich und wir genießen erstmal eine ausgiebige und HEISSE Dusche. Danach legen wir uns erstmal aufs Ohr, der Busschnarcher hat uns echt fertig gemacht! Als wir wieder aufwachen, haben wir leichten Hunger und frühstücken im Hotelrestaurant "Ambrai", das der Lonely Planet zu Recht als das wohl romantischste Restaurant in Udaipur bezeichnet. Es ist ein Terassenhotel direkt am See Pichola mit Blick auf des Luxushotel Taj, das auf einer Insel im See liegt (und in dem James Bonds Octopussy gedreht wurde).

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Auf der anderen Seite des Sees liegt der City Palace und weitere wunderschöne Palasthotels.

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In der Sonne ist es inzwischen auch schön warm und wir bestellen unser Frühstück. Das Personal ist bemüht, hat aber sichtlich Probleme sich eine Bestellung für zwei Personen vollständig zu merken, obwohl sie sie aufschreiben. Wir essen in den kommenden Tagen 4 Mal hier (Frühstück und Mittagessen) und kein einziges Mal schaffen sie es uns auf Anhieb das richtige zu bringen. Entweder fehlt etwas oder sie bringen zuerst etwas anderes. Abends ist es wohl deutlich besser, da dann auch deutlich mehr Kellner da sind, wobei gerade beim ersten Frühstück das Verhältnis Gäste zu Kellner 2:1 ist (also doppelt soviele Kellner als Gäste). Für heute haben wir uns sonst eigentlich nichts vorgenommen außer ein wenig in der Stadt rumzuschauen und genau das machen wir. Wir gehen zu einem Internetcafe und kommunizieren mal wieder mit der Welt, organisieren unseren Trip nach Goa (wir haben endgültig beschlossen, noch etwas Strand und Sonne zu machen) und gehen danach ins feine Jagat Niwas Hotel essen (genau gegenüber von unserem Hotel auf der anderen Seite des Kanals). Wir sitzen auf der Dachterasse mit Blick auf das beleuchtete Taj Hotel und den See. Einfach traumhaft! Diese Stadt ist unser absoluter Favourite in Indien bisher. Ruhiger und entspannter als Jaipur, kleiner und gemütlicher und dazu voller schöner Gebäude. Selbst die einfachen Häuser sind mit Malereien verziert und der See bzw. die Seen tun ihr übriges zur romantischen Stimmung. Selbst die Inder hupen hier weniger.
Da in unserem Hotel "Ameth Haveli" nur für zwei Nächte ein Zimmer frei war, fragen wir beim Jagat Niwas nach, ob wir nicht vom 30. auf den 31. bei Ihnen unterkommen und tatsächlich es ist genau noch ein Zimmer für einen Nacht frei. Wir nutzen unsere Zeit in Udaipur einfach für etwas Palast-Hopping.

Ein neuer Tag und ein neuer Anlauf das bestellte Frühstück zu bekommen, schlägt leider wieder fehl. Egal, heute besichtigen wir den City Palace, die größte Palastanlage in Indien. Die Anlage ist nicht nur riesig sondern auch so verschachtelt gebaut, dass man völlig die Orientierung verliert. Beeindruckend ist vor allem unser Audio Guide, der zu jedem nennenswerten Punkt interessante Informationen bereithält.

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Nach der Besichtigung des Palastes erfrischen wir uns bei einer Cola und laufen weiter zum Gallery Restaurant um High Tea einzunehmen. Das Restaurant enthält den vielleicht größten Bankettsaal Indiens, der für Hochzeiten gemietet werden kann. Zum Abschluß machen wir einen kurzen Abstecher zum Nobelhotel Shiv Niwas, in dem im Film Octopussy James Bond gewohnt hat. Es ist eigentlich Pflicht Octopussy zu sehen, solange man hier ist aber dazu später mehr.
Wir beschließen den Abend mit einem Abendessen im Udai Kothi, einem sehr schicken Boutique Hotel im Palaststil. Überhaupt scheint es hier an jeder Ecke Paläste oder palastähnliche Gebäude zu geben.

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Am nächsten Tag checken wir aus, frühstücken mit demselben Erfolg wie während der anderen Tag im Ambrai und fahren zu unserer neuen, etwas billigeren Unterkunft dem Rangniwas Palace Hotel. Das Hotel ist eigentlich sehr schön, allerdings sieht man ihm an, dass es die besten Tage hinter sich hat. Aber für den Preis ist es trotzdem spitze. Auf Anraten des Besitzers unternehmen wir einen Ausflug nach Shilp Gram, einem "Künstlerdorf" ca. 12 km außerhalb von Udaipur, in dem gerade eine Woche lang Kunst- und Markttreiben ist. Unser sehr netter Rikschafahrer "Opal" bringt uns sicher und ohne viel zu hupen dorthin. Der Unterhaltungswert des Dorfes hält sich allerdings stark in Grenzen. Direkt am Eingang finden diverse Tanzvorführungen statt, bei denen ausschließlich Männer, teils als Frauen verkleidet (ähnlich offensichtlich wie Tony Curtis und Jack Lemon in "Some like it Hot") traditionelle Tänze vorführen. Eventuell ist es ihnen zu heiß, zumindest beschränken sie ihre Bewegungen auf das absolute Mimimum, was das ganze Konzept "Tanz" etwas ad absurdum führt. Daneben kann man auf geschmückten Kamelen reiten und an unterschiedlichsten Ständen Schmuck, Textilien, Marionetten und andere Dinge kaufen. Leider gibt es keine richtige Kunst oder Kunsthandwerk, die meisten Sachen sind eher nette Stoffe und Haushaltssachen. Zumindest scheint es ein beliebter Platz zum Einkaufen zu sein für die lokalen Frauen.

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Zwischendurch gibt es eine ganze Reihe von Essensständen. Kunst gibt es zum einen in einem "Skulpturenpark" zu sehen und in der vielleicht traurigsten "Kunstgalerie" der Welt. Die Galerie ist ein Betonbau mit Flachdach aus Stroh, bei dem sie wohl die Fenster vergessen haben, eine kleine traurige Tür ist der einzige Zugang und leider auch die einzige Lichtquelle, da es auch keine Elektrizität gibt. An den Wänden sind Gemälde aufgehängt, die man mit etwas gutem Willen als "Naive Malerei" bezeichnen kann (oder mit anderen Worten, die Bilder sehen aus, als hätte sie ein begabter 10-jähriger gemalt). Aufgrund der Beleuchtungssituation erkennt man nur die Bilder, die in der Nähe des Eingangs hängen, alle anderen Bilder sind im Halbdunkeln nur schemenhaft zu erkennen. Vielleicht ist das aber auch so gewollt und wir haben es nur nicht verstanden. Da wir nichts kaufen wollen und es eigentlich nichts sonst zu sehen gibt, sind wir nach 40 Minuten mit der Besichtigung fertig.

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Gerade als wir uns zum Ausgang bewegen, sehen wir die Tanzgruppe wieder auftreten. Ein Europäer, glatzköpfig, weiß, Bierbauch, wird aufgefordert mitzutanzen und das läßt sich ein Tourist nicht zweimal sagen. Mit Elan schwingt er seine 100 kg auf die Tanzfläche und versucht sich rhythmisch und irgendwie "indisch" zu bewegen. Dabei schmiegt er sich sichtlich erfreut an die stark geschminkte Mann-Tänzerin. Wir schämen uns eine Runde fremd und verlassen das Dorf. Auf dem Rückweg beschließen wir im Jagat Niwas zu Mittag zu essen. Inzwischen haben wir uns an die indische Geschwindigkeit angepasst, d.h. wir machen einfach alles langsamer und deshalb beschließen wir uns heute nur noch einen Tempel anzuschauen und uns beim Abendessen James Bonds "Octopussy" anzuschauen. Der Hindu-Tempel ist vor allem von außen recht beeindruckend. Die Außenwände sind komplett mit Figuren verziert, die Frauen und Tiere darstellen.

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Wie bei jedem Tempel finden sich auch hier relativ viele Bettler und jeder will Geld für irgendwas. Aber zumindest sind es jeweils nur ein paar Rupees.

Um 19 Uhr pünktlich zur Vorstellung von Octopussy finden wir uns auf der Dachterasse eines Restaurants ein und stellen fest, dass wir die einzigen Gäste sind. Deshalb ist wohl auch niemand darauf vorbereitet, tatsächlich den Film zu zeigen. Wieder einmal zeigt sich Indien in seiner schönsten und kuriosesten Form. Obwohl dieses Restaurant seit Jahren JEDEN Abend Octopussy zeigt oder zumindest damit Werbung macht, dauert es geschlagene 30 Minuten und es bedarf der Hilfe von 4 Indern, um den Film zum laufen zu bringen. Es scheint tatsächlich. als würden sie das zum allerersten Mal machen. Auf Nachfrage versichern sie uns lächelnd, dass sie das jeden Tag machen. Offensichtlich ist das Bedienen eines DVD-Players eine nieversiegende Quelle von Überraschungen für sie. Zuerst wird alles aufgebaut, Leinwand, Beamer, DVD-Player, Verstärker, PC-Lautsprecher, etc. Dann wird erstmal 10 Minuten die DVD gesucht. Das ist die erste Herausforderung. Die DVD ist eigentlich eine VDC. Octopussy sieht aus, als hätte man eine Videokassette aus den 80ern genommen, nachdem sie 100 Mal angeschaut wurde und dann mit dem billigsten Programm auf eine VCD gebrannt. Bei grisseligem Bild und noch schlechterem Ton schauen wir die ersten 5 Minuten, bevor die VCD hängt und das Bild einfriert. Die zwei übriggebliebenen Inder schauen vergnügt auf das Standbild und scheinen fasziniert zu sein. Auf unsere Aufforderung irgendetwas zu machen, reagieren sie mit Verwunderung. Standbild schauen ist doch eigentlich auch ganz schön. Einer nimmt die VCD raus und putzt sie an seinem T-Shirt, das wohl auch schon seit einiger Zeit kein Wasser mehr gesehen hat. Zumindest können wir nach einiger Zeit wieder die ersten 5 Minuten anschauen. Auf meine Frage hin, ob er nicht vorspulen könnte, antwortet einer von beiden erfreut mit "Yes", allerdings ohne dass dies in tatsächlichem Vorspulen mündet, vielmehr war es wohl nur die Versicherung, dass er in der Lage ist, vorzuspulen aber anscheinend keinerlei Ambitionen hat. Also schauen wir wieder die ersten 5 Minuten bis zu der Stelle, an der die VCD offensichtlich hängt. Kein Problem denkt sich der kluge Inder und holt die VCD wieder raus, schaut sie an und tut sie wieder zurück. Und schon geht es los mit Octopussy, die ersten 5 Minuten, Deja vu, wortwörtlich! Wieder angekommen beim Standbild merken auch unsere indischen Freunde, dass es so wohl nicht funktioniert. Etwas ratlos rufen sie nach den anderen beiden, die schon beim Aufbau geholfen haben. Und tatsächlich, einer von beiden hat eine brilliante Idee. Statt der 10 Jahre alten, völlig heruntergekommenen VCD mit der ältesten noch existierenden Kopie von Octopussy könnte man doch auch die ANDERE DVD nehmen. Die andere DVD ist, wie sich herausstellt, die digital remasterte DVD in der Platin Edition mit perfektem Bild und Ton. Die scheint wohl sonst nur für besondere Gäste bestimmt zu sein oder sie hatten einfach vergessen, das sie die haben. Bei lecker Essen genießen wir endlich Octopussy und entdecken einige Plätze im Film, die wir tags zuvor besucht haben.

Am nächsten Tag ziehen wir um ins Jagat Niwas.

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Und genießen erstmal das Frühstück, das erste Mal seit langem bekommen wir genau das, was wir bestellt haben! Die Aussicht ist einfach traumhaft. Wir genießen die Sonne, lesen und machen einfach nichts für eine Weile. Nachmittags machen wir uns auf den Weg zum Garden Hotel, wo es eine Ausstellung mit Oldtimern gibt, die meisten aus dem ehemaligen Besitz des Maharadschas. Hier steht unter anderem der Rolls Royce Phantom II aus Octopussy, sowie einige weitere sehr seltene Stücke der Automobilgeschichte wie z.B. ein Rolls Royce Geländewagen, handgefertigt für den Maharadscha.

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Nach dem Mittagessen im Garden Hotel machen wir einen Abstecher zum Lake Pichola Hotel, um auf deren Dachterasse Mittag zu essen. Das Lake Pichola ist ein weiteres "Heritage Palace Hotel", direkt am See und unsere letzte Unterkunft in Udaipur.

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Für die Sylvesternacht haben wir uns hier eine Suite genommen. Die Dachterasse ist genau gegenüber des Jagat Niwas und hat einen Pool und eine Bar. Wir genießen die Aussicht und beschließen uns Abends eine Tanzvorführung im "Notable Building" (laut Lonely Planet) anzuschauen. Die Vorführung dauert eine Stunde und findet in einem Innenhof eines ehemaligen Palastes statt, der auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Die Toilette auf dem Weg zur Bühne stinkt zumindest bestialisch. Dafür ist die Vorführung sehr sehenswert. Bis auf eine etwas übergewichtige Tänzerin, die zwischendurch den Tanz unterbrechen muss, um sich an der Wand abzustützen und Luft zu holen, lohnt sich das wirklich.

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Danach gehts zum Essen in unser Hotel, wo wir nochmal die Aussicht auf den See und das Taj Hotel genießen.

Ein neuer Tag, ein neuer Palast. Wir ziehen nach dem Frühstück ins Lake Pichola Hotel und staunen über unsere Suite. Unser Zimmer ist einfach nur groß!

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Geschätzte 35 qm mit einer Sitzecke mit Blick auf den See und einer Schaukel. Man gönnt sich ja sonst nichts. Wir verbringen den Tag mit schlendern durch die Stadt, etwas Shopping und der richtigen Besichtigung des "notable Buildings", bevor wir auf der Dachterasse unseres Hotels zu Abend essen.
Um 24:00 Uhr stehen wir In Udaipur, Indien, auf der Dachterrasse und genießen das Feuerwerk, das um uns herum stattfindet. In trauter Zweisamkeit und mit einem Kuss von der besten Ehefrau von allen beginnt das Jahr 2012!

Unser letzter halber Tag in Udaipur bricht an. Wir unternehmen noch eine Bootsfahrt zur Insel Jagmandir, auf dem Lake Pichola bevor es zum Bus geht. 16 Stunden Busfahrt über Nacht nach Mumbai! Na dann gute Nacht!

Samstag, 31. Dezember 2011

Indien - Jaipur - the pink city

Nach dem bisherigen absoluten Highlight Taj Mahal in Agra, erleben wir kurz darauf unseren Tiefpunkt. Unser Wecker klingelt um 3:50 Uhr morgens, also mitten in der kalten Nacht. Verschlafen machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof Agra Fort. Wir kommen bis zum Ausgangstor unseres Hostels, das leider verschlossen ist. Wir hatten zwar Bescheid gegeben, dass wir sehr früh morgens los gehen aber leider wurde nicht erwähnt, dass wir nicht raus können. Zum Glück schläft ein Inder bei der Rezeption und macht uns etwas verschlafen das Tor auf. Am vorherigen Abend haben wir noch einen Fahrer organisiert, der bereit ist, uns um die Uhrzeit zum Bahnhof zu fahren. Für das dreifache des normalen Preises zwar aber immerhin wartet er tatsächlich auf uns. Durch die Stille der Nacht fahren wir gemütlich hupend zum Bahnhof. Hier ist allerdings schon einiges los. Geschäftiges Ein- und Ausladen, Ein- und aussteigen begleitet von dem üblichen Chaos. Unser Zug fährt pünktlich ab, 5:10 Uhr, es hat etwa 8 Grad und uns ist saukalt. Die Temperatur im Zug entspricht der Außentemperatur, wir mummeln uns in unsere Vliesschlafsäcke ein, alle warmen Sachen haben wir eh schon am Leib. Und es ist immer noch kalt! Gerade als wir denken, dass es nicht schlimmer geht, macht ein Inder vor uns das Fenster auf, um herauszuspucken. Ihm scheint dabei so kalt zu werden, dass er nicht mehr fähig ist, das Fenster wieder zu schließen. Zitternd vor Kälte sitzt er da und schaut etwas verdutzt aus dem Fenster. Der Zusammenhang zwischen der Kälte und dem offenen Fenster ist ihm eventuell nicht ganz klar. Inzwischen hat es gefühlte 5 Grad im Zug und man kann fast den Atem sehen. Und es sind noch 5 Stunden Zugfahrt vor uns. Auf Alice Bitten schließt der nette Inder vor uns sein Fenster und wirkt etwas erstaunt über die wärmende Wirkung. Allerdings scheint der Drang zu spucken bei vielen unserer Mitreisenden stärker zu sein, als das Kälteempfinden. Zumindest werden in regelmäßigen Abständen, die Fenster um uns herum zu diesem Zweck geöffnet. Immerhin machen die Meisten ihr Fenster danach wieder zu. Die erste Stunde vergeht und wir frieren. Die Kälte kriecht in die Haut und macht sich überall breit. Die Füße werden zuerst kalt, dann die Nase gefolgt vom Rest des Kopfes. Alice spricht das aus, was uns beiden durch den Kopf geht: Warum können wir nicht einfach 2 Wochen entspannt Strandurlaub auf den Malediven oder irgendeinem anderen schönen, Ort machen an dem man nichts machen kann außer sich zu entspannen? Stattdessen sitzen wir hier wie zwei Fischstäbchen während des Einfrierprozesses!
Gerade als es kaum noch kälter werden kann, hält der Zug und ca. 100 Inder kommen zu uns in den Wagon und besetzen jeden freien Fleck, oftmals mit mehreren Personen übereinander. Witzigerweise ist das Austauschen von Zärtlichkeiten, wie Händchenhalten zwischen Mann und Frau nicht gern gesehen, andererseits ist es für Männer völlig normal hier Arm in Arm herumzulaufen oder stundenlang auf dem Schoß eines anderen Manns zu sitzen. zumindest wird es dadurch etwas wärmer. Neben uns setzt sich eine nette, 23-jährige Inderin, die sofort anfängt uns auszufragen: Where do you come from? Are you two married? How long have you been married? Are your parents happy? What did you study? Where did you study? What did you eat in India? und das alles innerhalb von 3 Minuten! Wirklich sehr nett aber etwas anstrengend. Im Anschluß an die Fragenattacke erzählt sie uns ihr gesamtes Leben inklusive ihrer Probleme mit ihrem Freund/Ex-Freund, ihren Eltern und fragt Alice nach Rat, was sie speziell mit ihrme Freund machen soll. naja, wir kennen uns ja jetzt auch schon 20 Minuten. Als nächstes beschließt sie, dass Alice und sie jetzt BFFs (best friends forever) sind und sie ab jetzt jede Woche telefonieren müssen und wir auf jeden Fall zu ihrer Hochzeit kommen müssen. Die wird voraussichtlich in 1-2 Jahren stattfinden, je nachdem wie schnell ihre Eltern einen passenden Ehemann finden. Etwas überfordert nach dieser 30 Minuten Attacke auf unsere Privatsphäre und der Erkenntnis, dass Privatsphäre doch eine sehr westliche Erfindung ist, versuchen wir zu schlafen. Etwas früher als erwartet, kommen wir in Jaipur Hauptbahnhof an. Und versuchen uns erstmal zu orientieren. Unser Hotel ist nicht weit entfernt aber da wir nicht genau wissen in welche Richtung wir laufen sollen, stehen wir erstmal etwas verloren da. Das ist natürlich nie eine gute Idee in Indien, vor allem nicht am Bahnhof, wo 100 Rikschafahrer auf uns einstürmen. Wir bewegen uns möglichst schnell weg vom Bahnhofsgelände und laufen ein Stück in die hoffentlich richtige Richtung bevor wir eine klassische Fahrradrikscha nehmen, dessen Fahrer uns versichert, dass er weiß, wo unser Hotel ist.Unser Fahrer ist geschätzte 50 Jahre als, klapperdürr und kommt nicht ganz auf den Sattel drauf. Das heißt, er kann auf dem Sattel gemütlich sitzen, dann kann er aber nicht treten oder er tritt, dann kann er nicht sitzen. Also fährt er im Stehen los, im Verkehrschaos in Jaipur. Durch enge Gassen und nach vielen Biegungen, fragt er endlich andere Fahrer, wo denn eigentlich unser Hotel ist. Das ist ziemlich üblich in Indien, da eigentlich kein Fahrer genau weiß wo er hin muss. Aber da natürlich jeder den Auftrag haben will, sagen sie immer, dass sie genau wissen wo es lang geht. Und dann werden andere Fahrer auf dem Weg gefragt, irgendjemand wird es schon wissen. In diesem Fall ist es auch so, ein anderer Fahrer weist den Weg. Unser Fahrer scheint damit nicht ganz glücklich zu sein. Offensichtlich ist er eine ganze Weile in die falsche Richtung gefahren. Naja, nach weiteren 10 Minuten strampeln im Stehen kommen wir tatsächlich an. Und wir sind beeindruckt. Das Hotel sieht aus wie ein Hotel! Mit einer Rezeption, einem Restaurant mit Tischdecken, Internetzugang und warmem Wasser! Unser Zimmer ist auch nicht schlecht, allerdings stellen wir fest, dass es warmes Wasser nur von 7:30 - 10:30 uhr gibt und dann wieder Abends von 19:30 - 23:00 Uhr. Und jetzt ist es 10:25 Uhr. Also verschieben wir unser Duschvorhaben, nach 4 Tagen ohne Dusche ist es jetzt auch egal. Stattdessen frühstücken wir und legen uns nochmal hin. Für den heutigen Tag haben wir uns eigentlich nur eine Sache vorgenommen: Wir wollen einen Fön kaufen, da wir unseren vergessen haben. Und ohne ist es doch etwas zu kalt zum Haarewaschen. Unser netter Inder an der Rezeption teilt uns mit, dass es Elektronikartikel auf der großen Straße um die Ecke gibt, die Idee einen Fön zu benutzen, amüsiert ihn aber sichtlich. keine Ahnung wie indische Frauen ihre oftmals sehr langen Haare trocken kriegen. Tatsächlich finden wir ein Elektronikgeschäft, in dem es vom Ventilator bis zur Steckdose alles zu kaufen gibt, allerdings gibt es in dem Laden keine Regale, alles liegt auf einem großen Haufen in der Mitte des Ladens. Die gesamte Inhaberfamilie ist da und geht unterschiedlichsten Aktivitäten nach. Der ca. 5 Jahre alte Sohn spaziert auf den Waren und was aussieht wie Bauschutt herum, der Vater schreit in ein Telefon, offensichtlich telefoniert er mit jemandem sehr weit weg, die Mutter sitzt in der Ecke und ermuntert den Sohn. Ein Angestellter fragt uns, was wir wollen und fängt an in dem Haufen zu wühlen, als wir ihn nach einem Fön fragen. Er versichert uns, dass er erst letzt einen Fön irgendwo hier gesehen hat. Nach nur 5 Minuten stöbern, taucht er wieder aus dem Haufen auf und hält freudestrahlend einen Fön aus den frühen 90er Jahren in der Hand. Auf der Verpackung steht zwar, dass die Garantie spätestens Ende 1993 abläuft, aber der Fön funktioniert und ist sogar recht reisetauglich. Als nächstes gehen wir zu einem indischen Reisebüro, da wir uns in der Zwischenzeit überlegt haben, ob wir nicht doch anstatt des Nordens nach Goa in den Süden fahren sollen und uns noch etwas Strand gönnen. In Amritsar hat es nämlich Nachts 3-4 Grad! Kurz überlegen wir auch, ob wir nicht einen Abstecher nach Thailand machen sollen aber das erweist sich mit dem Visum schwieriger als gedacht.

Nach einem Stop beim Busbahnhof, wo wir unser Ticket nach Udaipur kaufen (Super Deluxe Volvo Class, witzigerweise sind die Busse der "Volvo Class" von Mercedes), laufen wir zum Abendessen im Sheraton Hotel Jaipur, einem 5 Sterne Hotel und eventuell der einzige Platz innerhalb der Stadt an dem man kein Gehupe hört. Hier gibt es zwei Restaurants, ein Internationales und ein indisches Nobelrestaurant in dem wir für den 25. Abends einen Tisch reservieren. An diesem Abend gönnen wir uns etwas internationales (und etwas billigeres). Kaum sitzen wir am Tisch, fällt uns auf, dass es etwas streng riecht, um nicht zu sagen, es stinkt! Peinlich, peinlich, in einem 5-Sterne Hotel riecht es nach Hundekacke!!! In mitten unserer Empörung fällt uns leider auf, dass der Geruch von meinen Schuhen kommt. Ich schleiche mich zur Toilette und tatsächlich, mit meinem rechten Schuh bin ich in Hundescheiße getreten. Nicht verwunderlich, da wir auf unbeleuchteten Straßen hierher gelaufen sind. Mittels Toilettenpapier entferne ich das meiste notdürftig. Wieder am Tisch angekommen, meint die beste Ehefrau von allen, dass es überhaupt nicht mehr gestunken hat, seid ich weggegangen bin. Hmmm, na toll, das erste Mal auf unsrer Reise in einem besseren Restaurant und ich stinke alles voll. Das Essen ist prima und die Kellner scheinen die Duftnote um unseren Tisch geflissentlich zu ignorieren. Komischerweise bleiben die Tische um uns herum unbesetzt. Als Alice sich nach dem Essen gemütlicher hinsetzt und ihre Schuhe in meine Richtung streckt, fällt mir auf, dass ihre Schuhe mindestens genauso stinken wie meine. Wir sind wohl beide in den selben Hunde-, Kuh-, oder sonstigen Haufen getreten. na super, wir sind echt ein tolles Paar, seit Tagen nicht mehr geduscht, stinkende Schuhe und dieselben Klamotten an seit Beginn der Reise! Wir nehmens mit Humor und gehen nochmal auf Toilette, um unsere Schuhe zu putzen. Zurück im Hotel bereiten wir uns mental auf Weihnachten am nächsten Tag vor und schlafen dabei selig ein. Zum Duschen war es zu kalt!

Den nächsten Tag beginnen wir mit einem ausgiebigen Frühstück bevor wir uns auf den Weg zu den Highlights der Stadt machen, den City Palace, Jantra Mantra und Hawa Mahal (Palast der Winde). Wir beginnen mit dem City Palace, der in der Tat sehr schön ist.

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Hier wird auch ein bißchen Weihnachten gefeiert, mit einem Christbaum

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und einem Weihnachtsmann, der zum Fürchten aussieht, da er eine unglaublich häßliche Maske trägt.

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Als nächstes besichtigen wir das Jantra Mantra ein Sternenobservatorium, dass der Maharadscha bauen ließ, um seiner Leidenschaft der Astronomie nachzugehen. Das Ganze sieht aus, als hätte Dali einen Park gestaltet.

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Und weiter gehts zum, absoulten Highlight von Jaipur, dem Palast der Winde. Ursprünglich gebaut für die Frauen des Hofs, besticht der Palast durch zahlreiche architektonische Besonderheiten. Die bekannteste Seite des Palasts ist eigentlich die Rückseite, die zur Straße geht, von der es aber keinen Zugang zum Palast gibt. Dies wurde so gebaut, damit die Frauen das Treiben auf der Straße beobachten konnten aber niemand einfach so, von dort aus in den Palast gelangen konnte. Generell dient viel im Palast, dem Zweck, die Frauen zu unterhalten und sie gleichzeitig komplett abzuschirmen von der Außenwelt.

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Nach soviel Besichtigung sind wir ordentlich hungrig und wir machen uns auf den Weg zurück ins Hotel, wo wir eine Kleinigkeit essen und uns wieder dick anziehen bevor wir uns wieder ins Getümmel stürzen. Diesmal auf der Suche nach einem Juwelier, da Alice sich einen Ring kaufen will. Jaipuir ist berühmt für seine Edelsteine und seinen Schmuck. nach 6 Geschäften, die alle mehr oder weniger schlecht aussehen, landen wir im Jewellery Emporium, dem besten Juwelier in der Stadt. Zumindest wissen wir jetzt schon mal, was man sich alles NICHT leisten kann.
Zum Abendessen gehen wir diesmal zum besten Chinesen in der Stadt. Authentisches chinesisches Essen ist eine willkommene Abwechslung. Und zu Weihnachten auch mal was Neues.
Für den nächsten Tag haben wir uns etwas ganz besonderes vorgenommen. Aus einer Zeitungswerbung haben wir tags davor erfahren, dass die zweitgrößte Schmuckmesse in Jaipur gerade stattfindet. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Am Eingang werden wir gefragt aus welchem Land wir kommen und werden sehr herzlich begrüßt. Wir bekommen unsere Namensschilder und müssen auch nichts zahlen. Im Gegensatz zu den Indern, die 600 Rupees Eintritt zahlen müssen.

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Die Messe beinhaltet wohl alle namhaften Händler, Produzenten und Zwischenhändler von indischem Schmuck. Von Edelsteinverkäufern bis zu Händlern, wie dem Jewellery Emporium, die hier ihre besten Stücke ausstellen. Die schiere Pracht einiger Stände ist überwältigend.

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Nach soviel Prunk passt es ganz gut, dass wir zum Abendessen wieder im Sheraton sind, diesmal im Restaurant Peshwari, spezialisert auf Tandoori, einem Ofen in dem die Gerichte langsam zubereitet werden. Peshwari wurde zu einem der besten Restaurants Asiens gewählt, unklar zwar von wem aber immerhin. Wir essen das berühmte Tandoori Chicken, das wirklich sehr gut ist und da unsere Schuhe dieses Mal nicht stinken können wir den Abend gemütlich genießen.

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Der letzte Tag in Jaipur, als erstes besuchen wir die Albert Hall, ein Museum mit einer Sammlung aus unterschidlichsten Richtungen und Orten.

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Keramiken, Skulpturen, Miniaturgemälde, Instrumente, Bronzearbeiten, und zwischendrin eine Ägyptische Mumie. Alles etwas skurril aber das Gebäude ist sehr schön.

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Nach einem kurzen Mittagessen bei einem der bekanntesten indischen Restaurants besuchen wir einen Bazar auf dem es unterschiedlichste Stoffe gibt.

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Vom Bettlaken bis zum Pashmina Schal. Genau das hatten wir auch gesucht einen Pashmina Shal in prima Qualität. Nach einigem Rumfragen landen wir bei dem einzigen Laden auf diesem Bazar, der fixe Preise und die besten Schals hat. Wir lassen uns die unterschiedlichen Qualitäten zeigen und erklären. Die Preise schwanken dabei zwischen 1800 Rupees (ca. 28 Euro) und 48000 Rupees. Die Qualität ist allerdings auch überragend. Die meisten anderen Geschäfte bieten Pashminas für ca. 300 Rupees an, der Qualitätsunterschied ist allerdings auch frappierend. Um drei Schals reicher und einige Rupees ärmer verlassen wir den Laden und schlendern noch durch einen weiteren Bazar.

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Und dann ist es schon Zeit aufzubrechen. Unser Bus fährt um 11 Uhr nachts los, 7 Stunden Fahrt nach Udaipur, der angeblich romantischsten Stadt in Indien. Wir sind gespannt!

Mehr Fotos gibts wie immer hier in unserem Online-Album: https://picasaweb.google.com/stefan.steveki/India2012?authuser=0&authkey=Gv1sRgCNjl38LFhdXwpAE&feat=directlink

Samstag, 24. Dezember 2011

Indien - Taj Mahal bei Sonnenaufgang

6 Uhr morgens, 8 Grad, 2 Lagen Kleider, 3 Lagen Decken, 200 Meter zum Osteingang des Taj. Wir machen uns auf den Weg einen Traum von Alice zu erfüllen: Das Taj Mahal bei Sonnenaufgang zu sehen. Um die Uhrzeit gibt es zumindest keine Warteschlange und auch in dem Gelände sind nur eine Handvoll Menschen. Wir schreiten durch das riesige Haupttor

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und dann liegt es vor uns, das Taj Mahal, Ikone Indiens, das vielleicht schönste Gebäude der Welt!

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Erbaut von Shah Jahan im Jahre 1632 als Denkmal für seine ewige Liebe zu seiner Frau Mumtaz Mahal, die ein Jahr vorher gestorben war, ist es das Beispiel für perfekte Symmetrie und Harmonie. Gebaut aus weißem Marmor erstrahlt es im Sonnenlicht, Rabindranath Tagore beschreibt es als "Träne auf der Wange der Ewigkeit" und Sha Jahan selbst sagte "es läßt die Sonne und den Mond eine Träne vergießen".

Kein Foto der Welt kann die Schönheit des Taj bei Sonnenaufgang wiedergeben. Der Marmor wechselt die Farbe je nach Intensität und Winkel des Lichteinfall bis es ganz im gleißenden Licht leuchtet.

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Was am meisten überrascht ist zum einen die tatsächliche Größe des Gebäudes, da man eigentlich vor allem Aufnahmen aus der Ferne kennt, fällt es schwer einzuschätzen, wie groß es tatsächlich ist.

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Zum anderen sieht man erst von nahen, dass das ganze Taj mit feinsten Einlegearbeiten aus Halbedelsteinen verziert ist. Im Inneren gibt es ein Schaumausoleum in dem zwei Steinsärge stehen, einer für Mumtaz und einer für Jahan. Tatsächlich wurden beide in einem Raum unterhalb des Hauptraums bestattet. Das Mausoleum ist mit den schönsten Halbedelsteinen verziert, die schiere Menge und Feinheit ist einfach unglaublich!

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Neben dem Hauptgebäude gibt es links und rechts jeweils ein identisches Gebäude. Das Linke ist eine Moschee, das rechte das Gästehaus.

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Nach 3 Stunden verabschieden wir uns vom Taj und flüchten gerade rechtzeitig von den Busladungen von Touristen, die jetzt hereinströmen.
Nach einem Frühstück in unserem Hostel ziehen wir ins Deluxe Zimmer. Im Grunde sieht es genaus gleich aus, aber mit warmem Wasser. Und es scheint etwas besser isoliert zu sein.
Unser Hostel hat uns einen Fahrer besorgt, der uns zum 40 Kilometer entfernten Fathepur Sikri bringt, eine verlassene Stadt, ehemals Hauptstadt, mit einem heiligen Tempel. zuvor müssen wir allerdings noch zum Bahnhof, um unser Ticket für den nächsten Tag nach Jaipur zu besorgen. Eine kleine Herausforderung, wie sich herausstellt. Am ersten Schalter erfahren wir, dass es nur zwei Züge gibt, einer Abends, der sehr spät nachts ankommt und einen frühmorgens, der um 6:15 Uhr fährt. Allerdings kann man an diesem Schalter keine Tickets kaufen. Beim nächsten Schalter kann man zwar Tickets kaufen aber nicht reservieren. Schließlich finden wir den Touristenschalter, für Touristen, Freedom Fighter!?! und andere Behinderte. Allerdings muss man sich erst bei einem anderen Schalter einenn Zettel besorgen, den man mit seinen Daten ausfüllt, damit man dann endlich ein Ticket kaufen kann. Das Ganze wird auch nicht gerade besser dadruch dass sich Inder nicht anstellen sondern einfach vordrängeln. Zudem arbeitet der Typ am Schalter wie in Zeitlupe, alles was er in den Computer eintippt, scheint er zusätzlich in ein kleines Buch zu schreiben. Es sieht aus, als würde er das alles zum ersten Mal machen. Getippt wird im 1-Finger-Adleraugesuchsystem. Nach ca. 30 Minuten hat er eine Person bedient und es sind noch zwei Leute vor uns! Zum Glück geht es etwas schneller und nach nur 45 Minuten warten, sind wir dran. Zu unserer Freude erfahren wir, dass der Zug nicht um 6:15 Uhr fährt sondern ausnahmsweise um 5:10 Uhr! 400 Kilometer für 174 Rupees als ca. 3 Euro, für 2 Personen.

Unser Fahrer hat brav gewartet und fährt gemütlich los, in seinem Mahindra Kleinstwagen. Es gibt wohl einen Grund, weswegen es diese Autos bei uns nicht gibt, eigentlich sind sie kaum für den Straßenverkehr geeignet. Unser Auto besitzt keine Außenspiegel, die linke Tür klemmt bedenklich und schneller als 60 km/h fährt die Kiste nicht, was angesichts der Bremsleistung eventuell eh keine gute Idee wäre. Dafür ist die Hupe laut, das wahrscheinlich wichtigste Teil an jedem Fahrzeug. Hupen gilt als Volkssport Nummer 1. Inder hupen vor allem aus folgenden Gründen: Sie fahren los, sie überholen, sie werden überholt, sie sehen andere Fahrzeuge, sie biegen ab, sie wollen jemanden grüßen, sie wollen signalisieren, dass sie eine Hupe haben und manchmal hupen sie auch nur aus Lust und Laune (unser Rikschafahrer am nächsten Morgen, fuhr um 4 Uhr morgens wo kein anderes Fahrzeug zu sehen war lustig hupend die Straße entlang). Im allgemeinen Verkehrschaos geht das einzelne Hupen eh unter in einer dauernden Hupkakophonie. Erstaunlich ist sowieso, dass hier nicht dauernd Unfälle passieren. Eigentlich sollten Fußgänger auch Hupen bekommen, alles andere ist unfair.

From India 2012

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Nach 2 Stunden haben wir die 40 Kilometer hinter uns gebracht und erreichen Fathepur Sikri. Hier werden wir hezlichst empfangen, von einer Horde Guides, die uns führen wollen und alle herausragende Qualitäten zu haben scheinen. Einer preist sich damit, dass es langsam spricht! Wir verzichten auf den Guide und laufen hoch zu der Tempelanlage Fathepur. Hier soll der Legende nach ein heiliger Mann gelebt haben, zu dem der damalige König kam, da er keine Kinder kriegen konnte. Und siehe da kurz darauf war seine Frau schwanger. Hoffentlich von ihm. Der heilige Mann ist hier begraben und deshalb pilgern immer noch erstaunlich viele Menschen hierher, um sich etwas zu wünschen.

From India 2012

Da wir alle zwei Meter von irgerndwelchen Verkäufern angehalten werden gestaltet sich die Besichtigung als ziemlich nervig. Wir flüchten in Richtung Sikri, die danebenliegende Palastanlage. Da man hier Eintritt zahlt, hat man drinnen zumindest seine Ruhe. Die Anlage ist vor allem groß aber nach dem Taj kommt sie uns etwas schlicht vor.

From India 2012

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Nach 1 Stunde Besichtigung machen wir uns wieder auf den Heimweg. Wir wollen noch bei einem der renommiertesten Shops für Marmorarbeiten vorbeischauen. Hier wird einem zuerst erklärt, wie die Einlegearbeiten von Hand gefertigt werden, bevor man die Ausstellung sehen darf, in der unverkäufliche Einzelstücke in beleuchtetenn Vitrinen ausgestellt sind. Teilweise dauerte die Herstellung bis zu 15! Jahre. Wir kaufen einen kleinen Marmortisch mit schönen Intarsien aus Halbedelsteinen und eine kleine Schmuckschachtel.

Ein langer Tag geht zu Ende. Noch kurz eine Kleinigkeit essen und dann ab ins Bett, um 3:50 Uhr ist die Nacht vorbei.